2.1. Das Rittergut
Doris und Ingold Sonntag
Um 1390 wird Reinhold von Gaschwitz als Lehnsherr einer Wasserburg in Gaschwitz erwähnt. Aus dem Herren bzw. Rittersitz des 14. und 15. Jahrhunderts entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein Rittergut, dessen Besitzer von 1506 bis 1616 die Familien von Erdmannsdorff und Pflugk genannt werden. 1616 erwarb es der Junker Jobst Brand von Lindenau und 1694 die Familie von Zehmen. Die Grundlage bestand zu dieser Zeit aus einem um 1700 barocken fünfachsigen Fachwerkhaus mit Erker und Mansarddach.
Bei der Dachform Mansarddach, auch Mansardendach, sind die Dachflächen im unteren Bereich abgeknickt, so daß die untere Dachfläche über eine wesentlich steilere Neigung verfügt als die obere. Auf diese Weise entsteht zusätzlicher Wohnraum für eine oder mehrere Mansarden. Bei einzelnstehenden Bauwerken des Barocks sind häufig alle vier Dachseiten (Mansardwalmdach) abgeknickt.
Die Familie von Zehmen hatte sich das schlichte Herrenhaus bauen lassen, bevor sie 1702 das Gut an Friedrich von Hopfgarten, Kommandeur der Pleißenburg in Leipzig, verkaufte. Das Rittergutshaus wurde damals jedoch ohne dem Turmaufbau errichtet.
Die nächsten Besitzer waren ab 1716 Benjamin Magen, ein Jurist aus Leipzig, bzw. seine Erben. Diese bauten neben dem alten ein neues Herrenhaus und legten einen Park an. Das alte Herrenhaus wurde von der nächsten Besitzerin, Frau Rahel von Bose, 1759 moernisiert. Auf dem Mansarddach aufbauend wurde ein schiefergedeckter pittoresker Dachreiter angebracht, der als Uhrenturm thront und mit einer Wetterfahne ausgestattet ist.
Weitere Besitzer waren von 1761 bis 1834 die Familien von Leyser und Aster. Von 1834 bis 1925 besaßen der Leipziger Dompropst Dr. Friderici und seine Erben, zuletzt die Familie Plantier, das Gut.
1876 wurden drei der sechs Teiche, die bis dahin das Gut umgaben, im Zuge einer Pleißeregulierung zugeschüttet. 1905 ließen die Plantiers das neue Herrenhaus durch den Architekten Peter Dybwad von Grund auf neu errichten.
Der Architekt Peter Dybwad wurde am 17. Februar 1859 in Oslo geboren und starb am 13. Oktober 1921 in Leipzig. Er war ein deutscher Architekt mit norwegischer Herkunft und hat neben dem Herrenhaus in Gaschwitz (1905) das Herrenhaus in Raschwitz (1890, 1907 abgerissen), das Bankhaus Meyer & Co. in Leipzig. Thomaskirchhof 20 (1905) und viele Villen in Leipzig und Umgebung (in der Zeit 1896 bis 1913) geschaffen.
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1925 verkauften die Plantiers das Gut an die AG Sächsische Werke (ASW), die in Vorbereitung des Braunkohlebergbaus Ländereien erwarben. Zunächst wurden Gut und Gelände aber an einen Verwalter, Herrn Schreiber, verpachtet.
1945 wurde das Gut enteignet und in ein Volkseigenes Gut (VEG) umgewandelt. Das neue Herrenhaus wurde vom Gut abgegrenzt und ab 1947 als Schule genutzt. Schon zu DDR-Zeiten und auch danach verfiel die Bausubstanz des Gutes in starken Maße. Im Jahre 2000 erwarb die Stadt Markkleeberg den gesamten Gutsbereich. Die Sanierung des alten Herrenhaus steht bislang aus, die Restaurierung der barocken Orangerie mit den beiden Torhäusern ist abgeschlossen. Diese Räume schaffen unter anderem die Voraussetzung für ein wieder entstehendes Vereinsleben für die Markkleeberger Stadtteile Gaschwitz und Großstädeln.
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Edelleute von Gaschwitz (genannt im 13. JH),
Johannes Porczik de Godiswicz (als Herrensitz erwähnt 1349/50),
Reinhold von Gaschwitz (gennt um 1390),
als Rittersitz erwähnt (1445/47),
als Vorwerk erwähnt (1486),
als Rittergut erwähnt (1551, 1858, 1875),
Familie von Pflugk (Besitzer 15. Jahrhundert),
Familie von Erdmannsdorff (1508 bis 1616)
Jobst Brandt von Lindenau (Besitzer ab 1616)
Hans Friedrich Brand von Lindenau (gestorben 1667, Wohnort der Witwe bis 1694),
Volkmar Friedrich von Zehmen (Besitzer 1694 bis 1702)
Georg Friedrich von Hopffgarten (Besitzer 1702 bis 1716),
Benjamin Magen (Besitzer 1716 bis 1722),
Heinrich Magen (Besitzer 1722 bis 1737),
Dr. Ludwig Magen (Besitzer 1737 bis um 1774),
Emilie von Leyser (1775), (1761 bis 1834),
Familie Aster, Emilie Aster (1834),
Familie Friderlei (Besitzer ab 1834),
Familie Plantier (Verkauf 1925),
Aktiengesellschaft Sächsische Werke (Besitzer 1925 bis 1945),
Danach wurde das Gut zum Volkseigentum erklärt. Es entstand das VEG.
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