Geschichte von Gaschwitz
Gaschwitz ist mit dem 1. Juli 1993 ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Markkleeberg im Landkreis Leipzig in Sachsen. Zuvor war es eine eigenständige Gemeinde liegt 9,7 km südlich von Leipzig an der Pleiße. Christoph von Gaschwitz war 1224 der erste bekannte Lehnsherr und Besitzer von Gaschwitz, ihn folgte 1390 u.a. Reinhold von Gaschwitz.
Seit der ersten bekannten Nennung im Jahre 1350 hieß der damals nach seiner slawischen Herkunft Godiswicz oder später auch Gaschwitz. Im Laufe der sprachlichen Entwicklung gab es in der Aussprache Veränderungen. So hieß der Ort:
1378 Kodswicz,
1395 Godeschwicz
1486 Goschwicz,
1522 Goswicz
1564 Geschwitz.
Seit 1606 hat er seinen Namen nicht weiter geändert und heißt seitdem Gaschwitz.
Die Leipziger Tieflandbucht hat in der jetzigen geologischen Periode eine mehrfache Besiedlung durch verschiedene Völker erfahren. Es ist anzunehmen, daß mit dieser Besiedlung der Gebiete westlich der Saale durch westlawische Sorben vermutlich im ausgehenden 6. Jahrhundert auch die Siedlung im Berreich von Gaschwitz entstand. Nach 950 kam es zur Einwnderung von Angehörigen elbgermanischer Stämme und später auch von Thüringern, Franken und Flamen. Die Christianisierung der Gegend erfolgte vermutlich durch den Regensburger Mönch und späteren ersten Merseburger Bischof Boso.
Aufgefundene Reste aus Hinterlassenschaften der Steinzeitmenschen (Steinbeilfunde bei Cröbern und Knauthain), zeigen, daß die Gegend schon 3.000 Jahre vor Christus besiedelt war.
Die ersten Siedler werden der indogermanischen Rasse zugerechnet. Aufgefundene Tongefäße sind mit Ornamenten verziert, die man als Bandkeramik bezeichnet. Ihre Ähnlichkeit mit in Thüringen ausgegrabenen Funden ist auffallend, so daß vermutet werden kann, daß diese Välker den Flußläufen entlang bis in die o.g. Gegend gekommen sind. Die Bandkeramik produzierenden Völker sind seßhaft gewesen und haben Ackerbau betrieben.
Die Bandkeramik wurde von der von Nordosten kommenden Schnurkeramik abgelöst. Schnurkeramiken rechnet die Wissenschaft nomadisierenden Jägerstämmen zu. Ein Fund bei Cröbern wird aus den umliegenden Städten und Gemeinden im Kapitel 10 kurz beschrieben.
Der Steinzeit folgte die Metallzeit, in der besonders die Bronzezeit für den Nachweis der Besiedlung wichtig ist. Bronze ist eine Legierung von Kupfer und Zinn in diverser Zusammensetzung. Man hatte gelernt, Metalle zu schmelzen und miteinander zu mischen. Ab etwa 1500 vor Christus gebinnt und 600 vor Christus endet diese Zeit. Aus dieser Zeit gibt es einige Funde, u.a. ein Grabfund aus einer Sandgrube bei Zehmen, welcher 1913 entdeckt wurde.
In den Jahren 1952/1953 wurden durch das Institut für Frühgeschichte der Universität Leipzig Untersuchungen einer Wallanlage in der Harth durchgeführt, die von der Bevölkerung als "Fuchsberg" bezeichnet, an der Straße von Zeschwitz nach Großdeuben lag. Die Untersuchung wurde durch den fortschreitenden Braunkohlentaebau des damaligen Kombinats Böhlen veranlaßt, weil die Gefahr des Verschwindens ohne Untersuchung bestand. Das Ergebnis kann zusammengefaßt so dargestellt werden: Eine vorgeschichtliche Bedeutung läßt sich nicht nachweisen.Es muß vielmehr angenommen werden, daß die Anlage als frühneuzeitliche Fluchtburg oder ein befestigtes Winterlager, etwa aus der Zeit der Haussiten bis zum Bauernkrieg gedient hat. Sämtliche anderen im Lauf der Jahrzehnte im Vorfeld der beiden Tagebaue gemachten Funde sind im Sächsischen Landesinstitut für Archälogie in Dresden archiviert worden.
Ca. 200 n. Christi begann die Völkerwanderung. Die in der Gegend wohnenden germanische Stämme wurden durch die aus der oberen Weichsel und Odergegend heranziehenden Sorben verdrängt. Der Fakk des Thüringerreichen (Schlacht bei Burgscheidungen 531) gab diesen Stämmen die Gelegenheit, das Land widerstandslos zu besiedeln. An allen günstig gelegenen Stellen entstanden nun die für die Sklawen so charakteristischen Runddörfen oder Rundlinge war "grad" oder "grod" (Grodisco = Groitzsch). Zusätzlich wurden noch befestigte Plätze für Mensch und Vieh als Zufluchtsstätte in Notzeiten angelegt, meist im Wald oder sumpfigen Gelände.
Die Dörfer setzten sich aus Mitgliedern eines Geschlechts oder Sippe zusammen. Der Stammesälteste hatte die Leitung inne, oft wurde auch sein Name als Ortsbezeichnung gewählt.
Beispiel sind: Belan = Böhlen, Sitz des Weißhaarigen; Chrobry = Cröbern Sitz des Kühnen u.a.
Folgende Ortsnamen weisen auf Eigentümlichkeiten der Siedlungen hin: Crostewitz = Strauchheim; Borna = Lehmort.
Dies sind Beispiele, die sich noch ergänzen lassen. Wetere Überreste der slawischen Besiedlung finden sich in Fluß- und Flusnamen der Gegend:
Pleisse = plesna, sumpfbildendes Wasser (Der Fluß war qualitativ so gut, daß Flußperlmuscheln existieren konnten)
Partha = pardava, Stinkfuß (fließt heute u.a. durch den Zoologischen Garten Leipzig).
Die aus der Germanenzeit herrührenden Flussnamen sind:
Alstrava = die Elster (der eilende Fluß) und
Lupaha = die Luppe (der rauschende Fluß) am Stadtrand Leipzig.
Karl dem Großen gelang es, die Sorben zu unterwerfen und tributpflichtig zu machen. Seine Nachfolger legten befestigte Plätze an (u.a. Taucha, Zwenkau, Gröitzsch, Leipzig), die als Burgwarte bezeichnet wurden. Daraus entwickelten sich später Dörfer und Städte: Leipzig - urbe libzi - Stadt der Linden - gegründet 1015, ist ein herausragendes allbekanntes Beispiel.
Einer der bedeutensten Burgwarte war Meißen (gegründet 928) an der Elbe.
Ab etwa 950 wurde die Christianisierung des Reiches intensiver vorangetrieben und Bistümer gegründet. Meißen, Naumburg, Merseburg waren solche Bistümer. Unsere Gegend wurde dem Bistum Merseburg zugeschlagen. Das Bistum Merseburg gibt es - mit einigen Veränderungen - seit 962 nach Christi Grburt, der Beginn der modernen Zeitrechnung.
Die von den Sorben besiedelten Lande wurden vom Kaiser neu unter seine Vasallen aufgeteilt. Hier wären vor allem die späteren Herschergeschlechter der Wettinger (die Kurfürsten und Könige von Sachsen) und die Ritter aus dem Hause Wiprechts von Groitzsch zu nennen. Natürlich konnten die vorgenannten Adligen die großen Lehen nicht selbst besiedeln. Sie brauchten dazu Kolonisten, die im Gegenzug gewisse Privilegien erhielten. Nur mit ihnen konte die reale Landnahme gelingen.
Von Zeit zu Zeit durchliefen die Gebiete im heutigen Mitteleuropa Krankheitswellen und Seuchen. Aus Unkenntnis und Unerfahrenheit hatten diese im Mittelalter meist verheerende Auswirkungen. Die großen Pestseuchen durchliefen von der Bronzezeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts weite Landstriche und waren ein zentrales Thema im Mittelalter. Die Seuchen haben nicht selten die politische Landschaft durchgreifend verändert. Kritiker betonnten die stark abweichende Ausbreitungsgeschwindigkeit der in Deutschland. Durch vergleichende europaweite Analysen einseitiger Pestopfer zeigte sich, daß die einstigen katastrophalen Pestepidemien, die Europa trafen, in der Tatdurch Yersinia pestis verursacht wurden.²
Die Pest wütete von 1349 bis 1351 in Deutschland. Nur wenige Gebiete blieben von der Seuche verschont. Die Seuche konnte man nicht ausrotten, so daß auch später noch derartige Epidemien zu verzeichnen gewesen sind. Noch über 300 Jahre später trat die stark ansteckende Krankheit in Gaschwitz auf, weil ein bettelndes Weib am 07.10.1681 im Gasthaus Gaschwitz Kleider und Wäsche verkaufte und so die Pest ins Dorf einschleppte. Ihr fielen damals fünf Person zum Opfer.
Das altschriftsässige Rittergut hat ein schönes Herrenhaus. Es gehörte:
im 16. JH den in Leipzigs Umgebung begüterten Herren von Pflugk,
im 17. Jahrhundert den Herren Brand von Lindenau,
ab 1694 Volkmar Friedrich von Zehmen, George Friedrich von Hopffgarten 1702 (siehe auch Großstädeln), er war Kommandant auf der Pleißenburg,
der es 1716 an den Protonotarius des Oberhofgerichtes. Benjamin Hagen, verkauft (Eine vollzählige Liste ist im Punkt 2.1. erhalten.)
Als Protonotar bezeichnet man sowohl bestimmter Prälaten der römischen Kurie als auch Träger eines hochrangigen päpstlichen Ehrentitels. Die Bezeichnung folgt aus dem historischen Amt des primieerius notariorum in Urbe, das schon im 5. Jahrhundert bezeugt ist.
Die Söhne des Benjamin Hagen, Heinrich und Dr. Ludwig, beide Juristen, besaßen es bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Letztere ließ das Herrenhaus "splendide ausputzen" und den Garten anlegen. Der Park des stattlichen Rittergutes wurde und wird wegen seiner Schönheit oft besucht.
Auf die Familie Hagen folgte als Besitzer Frau Rahel Bosse. Van den Erben kaufte es Johann Gotthelf von Lehser, Gestorben 1779. Nach einer Komsistorialverordnung sollte er wegen Verachtung des Heiligen Abendmahls ohne Sang und Klang auf dem Gottesacker außerhalb des Dorfes bestattet werden. So kam es dazu, daß er gegen den Willen des Pfarresrs außen an der Mauer begraben wurde, während alle übrigen Patrone in der Kirche selbst ihte Ruhestätte fanden. Die Familien Lehrer und Ator besaßen das Gut bis 1834, danach der Domprobst Dr. Friederici und diesen Sohn Dr. Georg bis 1900, danach dessen Tochter Elsa, verehelichte Plantier.
1430, 1431 und 1434 sind 24 Einwohner beim Einfall der Hussiten verschleppt worden.
1598 Ersterwähnung des Gasthofes "Zum Roten Hirsch"
Kirchlich und schulisch gehörte Gaschwitz zu Großstädeln. Die fortbildungsschulpflichtigen Knaben und Mädchen besuchten die Verbandsfortbildungsschule zu Oetsch-Markkleeberg.
Zum Rittergut Gaschwitz gehörte das schriftsässige Beigut Debitzdeuben, das ganz nahe am Nachbarort Großdeuben lag. Weil der Rittergutsbesitzer Gerichtsherr über diese Dörfer war, war er zugleich Patron über die Kirche zu Großdeuben. Die Schriftsässigkeit, auch (kanzlei-) schriftsässig, ist die frühere Bezeichnung für Grundherrschaften (wie zum Beispiel Rittergüter), deren Besitzer unter den oberen Landgerichten als erste Instanz in Rechtsstreitigkeiten standen. Im Gegensatz hierzu gab es amtssässige Dörfer und Rittergüter (Amtssassen), die das Amt, in dessen Bereich sie lagen, als erste Instanz anzuerkennen hatten. Mittelbare Amtsdörfer waren adelige und klösterliche Amtsdörfer. Die Schriftsässigkeit war an das Gut und nicht an die Person des Grundherrn gebunden.
Das Duetsche Rechtswörterbuch erläutert, "dem Landesherren immediat, unmittelbar unterstellt" und betont "das Privileg der Schriftsässigkeit haftet an Grund und Boden". Dieser Begriff sei schon im Jahr 1657 verwendet worden. Johann Christoph Adelung definiert in seinem Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart: "auf Schrift sitzend, d.i. dem Lebens- und Landesherren und dessen Kanzelley unmittelbar unterworfen; kanzrlleysässig, zum Unterschiede von dem amtssässig. Ein schriftsässiger Edelmann. Schriftsässige Güter." Im Kurfürstentum Sachsen, so Axel Flügel im "Bürgerliche Rittergüter", sei der Unterschied zwischen Schriftsässigkeit und Amttsässigkeit unter den Rittergütern durch "eine unterschiedliche Nähe zum Landesherren" gekennzeichnet gewesen. Diese hätte sowohl eine rechtliche wie eine symbolische Bedeutung gehabt.Die Diffrenzierung sei auf die im 15. Jahrhundert begonnene Entwicklung der Ämterverfassung zurückzuführen. Schriftsassen hätten den oberen Landesbehörden unmittelbar unterstanden. Mit ihnen hätten sie den Schriftverkehr direkt führen können. Für die Amtsassen sei das von einem Amtmann geleitete örtlich zuständige Amt die Instannz gewesen, an die sie sich zu wenden gehabt hätten.
1635, 1638 fanden in Gaschwitz Einquartierungen schwedischer Soldaten statt. Das hing unmittelbar mit dem Dreißigjährigen Krieg zusammen, der 1618 begann und 1648 mit dem Westfälischen Frieden endete.
Es war ein Konflikt um die zugerechnete und eingenommene Führungsrolle verschiedener Lager in politischen und religiösen Angelegenheiten. Dies meint ausdrücklich "Führung" und schließt eine Akzeptanz und Freiwilligkeit im Heiligen Römischen Reich und auch in Europa, der als Religionskrieg begann und als Territorialkrieg endet, mit ein.
In diesem Krieg entluden sich auf europäischer Ebene der habsburgisch-französische Gegensatz und auf Reichsebene der Gegensatz zwischen dem Kaiser und der Katholischen Liga einerseits und der Protestantischen Union andererseits.
Gemeinsam mit ihrem jeweiligen Verbündeten trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien neben ihren territorialen auch ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden vorwiegend auf dem Boden des Reiches aus. Als Auslöser des Krieges gilt der Prager Fenstersturz von 23. Mai 1618, mit dem der die Rekatholisierungsversuche des böhmischen Königs aus dem Haus Habsburg, der zugleich römisch-deutscher Kaiser war.
Der Westfälische Friede legte die Machtbalance zwischen Kaiser und Reichsständen neu fest und wurde Teil der bis 1806 geltenden Verfassungsordnung des Reiches. Darüber hinaus sah er Gebietsabtretungen an Frankreich und Schweden vor, sowie das Ausscheiden der Vereinigten Niederlande und der Schweizerischen Eidgenossenschaft aus dem Reichverband. Am 24. Oktober 1648 endete der Krieg. Nach den wirtschaftlichen und sozialen Verheerungen benötigten einige der vom Krieg betroffene Gebiete mehr als ein Jahrhundert, um sich von den Folgen des Krieges zu erholen.
Debitzdeuben zählte um 1740 nur 12 Nachbarn, aber 11 Güter und Häuser.
1760 verschleppen preußische Soldaten zwei Männer aus Gaschwitz für den Kriegsdienst.
1812 beordern französische Soldaten 16 Männer aus Gaschwitz für den Rußlandfeldzug.
Gaschwitz bestand 1815 aus 23 Gütern und Häusern. Mit Debitzdeuben, hier noch zu Gaschwitz gehört, zählte es 228 Einwohner, die 7 Hufe versteuerten.
Für die folgenden Ereignisse sind eigene Kaptel in diesem Buch vorgesehen:
1874 Bau der abzweigenden Eisenbahnlinie Gaschwitz - Meuselwitz und die Errichtung einer Poststelle im Ort.
Kapitel 10, Kapitel 11.6.
1870 bis 1880 wird durch die Betreiber Weiß & Becker ein unterirdischer Braunkohlenabbau durchgeführt.
Kapitel 21.
Von 1890 bis 1909 außergewöhnlich starke Hochwasser durch die Pleiße.
Kapitel 15.1.
1892 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Gaschwitz.
Kapitel 8.
1895 Einrichtung einer eigenen Schule in Gaschwitz.
Kapitel 2.4.
Nach 1871 entwickelte sich Leipzig zu einer industriellen Großstadt. Die von Karl Heine im Leipziger Westen trockengelegten Sumpfgebiete wurden von uhm parzelliert und an ideenreiche Industriepioniere verkauft. Diese bauten ihre Fabriken auf das neu erworbene Land. Die mit Schaffung einer weit in die Zukunft reichenden Infrastrucktur zog er viele Neugründer und Expansion orientierte Fabrikbesitzer an. Die konnten sich mit Ihren Produktionsideen hier verwirklichen. Das Kapitel zog nach, Bankhäuser entstanden.
In Leipzig selbst entstand durch den wachsenden Wohlstand der Industrieellen eine Kulturszene, die Buchindurtrie expandierte im Leipziger Osten, die Medizin hatte die Versorgung der wachsenden Bevöllkerung sicherzustellen, und die Universität erreichte mit ihren Industituten und Ausbildungsstätten für Mediziner, Wissenschaftler und Forscher internationale Anerkennung. Die Leipziger Messe mutierte ab 1895 zur Mustermesse. Der Handelsplatz wurde weltweit zum Vertriebsort mit gewinnbringenden Umsätzen aus der sich entwickelnden industriellen Massenproduktion. Die Stadt Leipzig putzte sich mit Park- und Gartenanlagen heraus. Baumalleen an den neu angelegten Straßen und Vorgärten an den Gründerzeithäusern schmückten die Straßenzüge.
Die Mieter verdienten ihren Lebensunterhalt als Arbeiter oder Angesrellte in den entstehenden Fabriken. Das blieb nicht ohne Auswirkung auf die im Süden von Leipzig liegen Orte Markkleeberg und Gaschwitz. Die Harth und die Pleißenaue bildeten ein Anziehungspunkt mit ihrer wunderschönen Natur, mit der reizvollen Landschaft, nicht nur als Ziel für die erholsamen Wochenendausflüge der Arbeiter und Angestellten, sondern auch für die Leipziger Industriellen, die hier ihre großen Villen errichteten. Gaschwitz war ein besonderer Anziehungspunkt. Eine bisher dörfliche Ansiedlung, mit vornehmlich erwerbsmäßiger Landwirtschaft, veränderte sich zum gehobenen Wohnstandort reicher Industrieller in schöner Umgebung.
Die Espansion machte neuartige Verkehrsverbindung nötig. Eine Eisenbahnlinie von Zeitz - Altenburg - Leipzig wurde ab 1842/43 gebaut. Eine zweite Linie Gaschwitz - Zwenkau - Meuselwitz entstand 1874 und wurde wegen des Tagebaues 1957 wieder stillgelegt. Sie hatte sogar einen Haltepunkt in der Harth bei Großdeuben. Der Bahnhof in Gaschwitz wurde zu einem Rangierbahnhof ausgebaut. Braunkohle wurden in den Waggons der Eisenbahn so rangiert, daß die zusammgestellten Züge zu ihren Bestiummngsorten gefahren werden konnten.
Bild 008 Gaschwitz mit Kleinstädeln in einer Karte aus dem Jahr 1907.
1879 ist eine Sekundärstrecke für den Güterverkehr vom Güterverkehr vom Rangierbahnhof Leipzig-Plagwitz über Markkleeberg nach Gaschwitz gebaut worden, die später zum Leipziger Güttering gehörte.
Gewerbe siedelte sich an. Nicht nur Zulieferer für die Eisenbahn, auch Hinterhofgewerbe für die vielen Beschäftigten der Eisenbahn. Da gab es Tischlerein, Glaserein, Malerbetriebe, Ofensätzer, Schuhmacher, Klempner, Kürschner, Schmiede, Frisöre und auch größere Betriebe, wie Fensterbauer, Ziegelei, Maurer- und Baubetriebe. (Mehr darüber steht im Kapietel 19)
Nach zwanzig Jahren Beeinträchtigung durch den Braunkohleabbau verblieb dem Ort nach 1960 nur noch ein Festlandsockel mit einer Fläche von 2,5 km². Er wird westlich durch die Eisenbahnlinie Leipzig-Altenburg, östlich durch die Pleiße und die B2/B95, nördlich durch die Stadt Markkleeberg und südlich durch die Gemeinde Großdeuben begrenzt. Nach Stillegung der Tagebaue sind die Abraumflächen rekultiviert worden, die schmale Ausrichtung der Infrastruktur in Nord-Süd-Richtung aber ist geblieben.
Die Einwohnerentwicklung von Gaschwitz
Jahr 1834 1871 1890 1925 1939 1946 1950 1964 1990 1997 2009
Einwohner 154 144 176 1273 1740 2106 2226 1975 1149 934 671
Die Abnahme der Einwohnerzahlen ab 1964 beschreibt die durch die Umsiedlungen bediengten Veränderungen in der Gemeindegröße. Viele der Umsiedler zogen nach Markkleeberg und Leipzig in für sie errichtete Neubauten. Nur wenige schafften sich wieder Wohneigentum an.
Im Dezember 1991 betrug die Einwohnerzahl 1127 Bürger.
Am 15.11.1992 entschieden sich die Bürger von Gaschwitz in einer Bürgerabstimmung für die Eingliederung nach Markkleeberg. Seit dem 1. Juli 1993 ist Gaschwitz mit Kleinstädeln ein Stadtteil Markkleeberg. Damit hörte die Eigenständigekeit der Gaschwitzer Gemeinde auf zu existieren.
Quellen:
Abgerufen im März 2020 von "https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gaschwitz&oldid=196242371"
1 https://de.wikipedia.org/wiki/Gaschwitz
2 https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Pest
3 https://de.wikipedia.org/wiki/Apostolischer_Protomotar
4 Sammlung Thomas Frenzel, Großdeuben, CD Gaschwitz 3
5 Hauptstaatsarchiv Dreden: Herrschaften (Memento von 29.04.2008 in Internet Archive)
6 Schriftsässig im Deutschen Rechtswörterbuch
7 Johann Christoph Adelung: Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3, Sp. 1658, Leipzig
1786 (Digitalisat in Woerterbuchnetz.de)
8 Axel Flügel: Bürgerliche Rittergüter. Sozialer Wandel und politische Reform in Kursachsen (1680-1844). Vandenhoeck
& Ruprecht, 2000, ISBN 3-525-35681-1, S. 73
9 Berthold Seewald: Berühmtestes Bild des Dreißigjährigen Krieges ist umzudeuten. In: Die Welt. 26. November 2018,
abgerufen am 5. März 2020
10 Georg Schmidt: Die Reiter der Apokalypse. Geschichte des Dreißigjährigen Krieges Münschen 2018, S672 ff.
11 Angaben des Einwohnermeldeamtes Markkleeberg 2009
12 Gebietsänderungen ab 1. Januar 1993 bis 31. Dezember 1993. (https://web.archive.org/web/20160906222400/
https://www.statistik.sachsen.de/download/010_GB-Gebiet/GST_AEND_1993.pdf)
13 Stadt Markkleeberg, Ausg. 1992, NovoPrint Verlags GmbH, S24
14 Rolf Bayer / Gerd Sobeck, Der Bayerische Bahnhof in Leipzig, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1985
15 Markkleeberg, Geschichte und Wandel, Herausgeber Stadt Markkleeberg, 2009, S. 158