Markkleeberg
OT Gaschwitz
OT Gaschwitz
670 Jahre Gaschwitz
Vorwort
Für einen historischen Augenblick war Gaschwitz in der Vergangenheit ein wichtiger Schauplatz in der Epoche der Gründerzeit. Hier gingen die Neuerungen des Jugendstils verschiedener Reformbewegungen, dir auf allen Gebieten umgreifende Industrialisierung und die Impulse der zeitgenössischen Architektur eine fruchtbare Synthese ein. Viele Leipziger Industrielle bauten ihre Villen im einst schönen Leipziger Südraum, in der landschaftlich reizvollen Umgebung der Harth von Gaschwitz und Großdeuben.
Von Anfang an war die Geschichtsschreibung von Gaschwitz hinter Großdeuben und Markkleeberg überlagert. Dabei hat gerade Gaschwitz eine, nach der seit 1350 in der urkundlichen Ersterwähnung des Ortes, bedeutende Entwicklung genommen, die, begleitet durch einige benachbarte Orte in der Pleißenaue, von reizvoller Natur und Schöhnheit gewesen ist. Um eine carbonchemische Industrie zu betreiben, die keinen Respekt vor der Harth und dem von Meiterarchitekten geschaffenen Villen hatte, wurden zahlreiche Kulturgüter dem Rohstoffabbau geopfert. Dein Arbeitsfleiß der früheren Bewohner lenkte man lediglich auf die industrielle Rostoffgewinnung in den Braunkohletagebauen.
In den letzten 30 Jahren hat sich der Blick deutlich geändert, besonders auf die Landschafts- und Architekturgeschichte des östlichen und westlichen Gebietes um Gaschwitz. Sie wurde in der Vergangenheit zu stark dezimiert, ohne daß eine Aufarbeitung erfolgte. Die wegweisenden Bauten sollten unter dem gesellschaftlichen Druck einer "sozialistischen Arbeitermacht als überkommende Relikte einer parasitären kapitalistischen Gesellschaft von der Bildfläche entfernt" werden, um so im Tagebau die Braunkohlenreserven für den Aufbau eines sozialistischen Staates zu nutzen.
Das Lebenswerk der Gaschwitzer Bewohner und Arbeiter, die neben der Deutschen Reichbahn vor allem in den Chemiewerken Böhlen und Espenhain arbeiteten und eine moderne Industriegesellschaft mit aufbauen sollten, ist von der Heimatgruppe in Gaschwitz erfaßt und dokumentiert worden. Genauso soll über die Baugeschichte einzelner Villen, deren Eigentümer und Bewohner und über die damaligen Besonderheiten in Gaschwitz berichtet werden.
Im vorliegenden Text sind die wichtigsten Ergenisse zusammengetragen, die einen lokalen Bezug zur Gaschwitzer Region darstellen. Die persönlichen Erlebnisse waren wichtige ausschließliche Kriterien. Vordergründig geht es hier nicht um ein möglichst vollständiges Gesamtbild. Das Ziel besteht vielmehr darin, jene Entwicklungen zu dokumentieren, wie sie die Mehrheit erlebt haben.
Das geschriebene entstand in Zusammenarbeit mit den Heimatfreunden aus Gaschwitz. Es soll zu einem bessseren Verständnis der zurückliegenden Zeit, zu unfassenden regionalen Geschichtskenntnissen und zu vertiefenden Beschäftigung mit der Vergangenheit anregen. Die Aktualität des Themas ergibt sich nicht zuletzt aus der heutigen Situation unserer Epoche mit dem Ziel: Gegen das Vergessen!